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Fake News: alles halb so wild?

Publiziert am 07.03.2019

Seit seiner Wahl zum 45. Präsidenten der USA prägen Schlagzeilen über Donald Trump die Medien. Mit Trump ist ein Begriff besonders zum Buzzword geworden: Fake News. Doch Studien zeigen, dass der Hype falsche Erwartungen hervorruft, die wenig mit der realen Situation zu tun haben. Trotzdem sind Fake News ein ernstzunehmendes Problem des Informationszeitalters.

Stimmt das, was wir in der Zeitung und auf Online-Plattformen lesen wirklich? In Zeiten, in denen uns der Begriff «Fake News» täglich um die Ohren geschlagen wird, macht sich Unsicherheit breit. Könnte man zumindest meinen. Denn in der Schweiz scheint das noch nicht der Fall zu sein – laut dem Reuters Digital News Report 2018 (Link) schätzen hierzulande 54% der Deutschschweizerinnen und –schweizer sowie 48% der Romands die Schweizer Medien als vertrauenswürdig und gut ein. Hingegen schenken nur 22% der Schweizerinnen und Schweizer News auf Social Media Glauben.

Ein positives Ergebnis für die Schweizer Medienlandschaft. Und ein wichtiges Zeichen. Denn Fake News, also gezielte Desinformation, bedroht die öffentliche Kommunikation, die für unsere demokratische Gesellschaft so wichtig ist.

Ist die Angst vor Fake News also unbegründet?

Auch Brendan Nyhan, Professor für Public Policy an der Universität Michigan kommt in seiner kürzlich publizierten Studie (Link) zum Schluss, dass unsere Ängste bezüglich Fake News übertrieben sind, respektive Fake News beispielsweise im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA eine weit geringere Rolle gespielt haben, als bisher angenommen. Was aber interessant ist: Die ständige Konfrontation mit dem Thema Fake News und Warnungen davor führen dazu, dass Leserinnen und Leser anfangen, die Legitimität von Medien in Frage zu stellen.

Falsche Sicherheit

Aus dieser Perspektive könnte man denken, dass Fake News kein wirkliches Problem darstellen. Falschinformation, auch gezielt eingesetzte, gibt es schon seit Beginn der Menschheit und ist kein neues Phänomen. Doch während die Verbreitung von Falschinformationen noch relativ überschaubar war und gegebenenfalls korrigierend eingegriffen werden konnte, wirkt die Digitalisierung als unüberschaubarer Katalysator in der Verbreitung von Fake News. Insbesondere auf Social Media Plattformen schiessen Fake News wie Pilze aus dem Boden. Der Grund liegt nahe. Niedrige Eintrittsbarriere, grosse Verbreitung und – Soziale Medien sind Emotionsmedien. Sie sind auf rasche, impulsive Reaktionen optimiert und ihre Algorithmen bevorzugen hochemotionale Inhalte.

Die Gefahr liegt im Dunkeln

Doch nicht nur auf Social Media finden wir Fake News: Desinformation wächst dort, wo wir keine Öffentlichkeit haben – in privaten Communities, geschlossenen Gruppen – und wird über WhatsApp und im Darknet verbreitet. Die Gefahr liegt also mitunter wortwörtlich im Dunkeln. Da dadurch auch die Daten nur schwer zugänglich sind, kann die aktuelle Kommunikationsforschung nur Fake News auf öffentlichen Plattformen untersuchen – und bildet daher die Realität nur sehr unzureichend ab.

Image und Reputation zählen

Schaut man sich diese aktuelle Entwicklung an, wird uns das Paradox bewusst: Fake News sind eine Tatsache, auch wenn sie weniger relevant sind als durch die Medienpräsenz suggeriert wird. Auch für Unternehmen, Organisationen und Führungspersonen sind sie relevant. Gezielte Fehlinformationen vom oder über den eigenen Betrieb können ruf- und geschäftsschädigend wirken und sind eine Belastung. Dies mussten z.B. Coca-Cola und Pepsi erleben, die in der Vorweihnachtszeit 2018 mit gefakten Plakaten Opfer von politischer Werbung wurden (Link).

Desinformation kann man nur schwer kontrollieren. Das eigene Image und die Reputation aber schon. Transparente und authentische Kommunikation mit Stakeholdern schafft Vertrauen und ist die Grundlage für solide Beziehungen. Zudem kann einem möglichen Reputationsschaden durch Fake News mit entsprechender Krisen-Prävention entgegengewirkt werden. Wer in Image- und Reputationspflege investiert, kann Fake News etwas entgegensetzen und wird nicht von ihnen überrollt.